Die Geschichte der Warchauer Dorfkirche

Die unter Denkmalschutz stehende spätromanische Feldsteinkirche mit eingezogenem rechteckigem Chor und halbrunder abgesetzter Apsis ist vermutlich um 1200 erbaut worden. Es ist nicht nachweisbar, wer den Bau veranlasst und finanziert hat.

3 Varianten sind denkbar.

Zum Einen könnten Franziskanermönche die Initiatoren gewesen sein. 
Sehr wahrscheinlich ist auch die zweite Möglichkeit, dass Prämonstratenser Mönche den romanischen Baustil auch bei uns geprägt haben, zumal deren Mutterkloster „Unsere lieben Frauen“ in Magdeburg für die Christianisierung in dieser Gegend zuständig war. 
Drittens könnte aber auch der Einfluss der Lehniner Zisterzienser Mönche den Bau unserer Kirche befördert haben, zumal bekannt ist, dass ein „von Plothe“ 1204 Schenkungen und Belehnungen an das Kloster Lehnin durchgeführt hat. 

Außerdem ist bekannt, dass die Askanier insbesondere mit Hilfe der Zisterzienser den Landausbau und die Besiedelung der Mark Brandenburg durchgeführt haben. 

So gehört das benachbarte Wusterwitz mit seiner um 1200 datierten Feldsteinkirche zu den ältesten Orten askanischer Besiedlung.

Allen drei Varianten ist aber eines gemeinsam, die Kirche wurde ohne Turm erbaut. Dieser ist nach der Wetterfahne erst um 1727 angebaut worden.

Es ist ein Kirchentyp, der im 13. Jahrhundert in der Mark Brandenburg sehr verbreitet gewesen ist. Charakterisiert wird der Bautyp durch die vollkommene Reduktion auf zwei rechteckige Baukörper und das Fehlen jeden Ornamentes. Das war kostengünstig, mit regionalen Baumaterialien und von ansässigen Handwerkern ausführbar. 

Hinzu kommt, dass diese Kirchen eine strategische Bedeutung bei der Besiedlung hatten und insbesondere in den Randgebieten errichtet wurden.

Die Wände der Kirche bestehen aus massivem Findlingsmauerwerk. Unbehauene Findlinge waren im Mittelalter das typische Material für Massivbauten in der Region. Die ca. 1,00 m dicken Wände sind in regelmäßigem Schichtenmauerwerk gebaut worden. 

Schmale, hochliegende Fenster mit Spitzbogen belichten die Kirche von Norden. Die Fenster auf der Südseite wurden nachträglich vergrößert. 

Das Mauerwerk ist außen sichtbar belassen und innen mit einem Kalkputz verputzt. Auf den Innenwänden befinden sich flächige Wandmalereien, deren Alter nicht bekannt ist.

Die Kirche hat ein Satteldach mit einer Dachneigung von ca. 60°. Es ist als einfaches Sparrendach mit Kehlbalken und liegendem Windverband ausgeführt und besteht aus Nadelholz. Die ältere Dachdeckung besteht aus handgeformten Tonbibern, die in Doppeldeckung verlegt sind. Bemerkenswert sind die ornamentierten Firstziegel auf First und Graten. Die Balkendecke ist zum Kirchenraum profiliert und farbig gefasst.

Auf der Westseite befindet sich eine drei Meter tiefe Empore, über der sich der Kirchturm aus Fachwerk erhebt. Die Empore ist als Holzkonstruktion frei in die Kirche hineingestellt und bildet die Unterkonstruktion für den Kirchturm. Der Kirchturm ist auf drei Seiten von dem Kirchendach umgeben und wird auf der Westseite durch die massive Westwand geschlossen.

Das Portal auf der Nordseite mit einem gestaffelten Türgewände aus Formziegeln wurde später eingebaut (etwa um 1400). Das zeigen der gotische Stil und Reste des ehemals auf der Westseite liegenden Hauptportals. Im Mauerwerk des neuen Portals fallen rundliche Vertiefungen auf, die sogenannten „ Büßermarken“.

Das Innere der Kirche ist durch Zeit, Abnutzung, Feuchtigkeit, aber auch durch Diebstahl sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Kanzel aus unbemaltem Kiefernholz aus dem Jahre 1720 war mit schwerer aber technisch vortrefflicher Barockschnitzerei geschmückt. Leider wurde ein Teil der Schnitzereien und auch die Gesetzestafeln, die die Mosesfigur unter der Kanzel in den Händen hielt, 1974 durch Diebstahl entwendet. Über der Tür zur Kanzeltreppe befindet sich das gekrönte Monogramm der Stifter Heinrich von Schildt und seiner Ehefrau Juliane Rosamunde von Britzke.

Der zur Kanzel passende Altaraufbau ist der Überlieferung nach an einen Grafen von Schwarzenau in der Provinz Posen übergegangen, der als Tausch (1575-1642) ein italienisches Ölgemälde des Barock gegeben hat (jetzt über dem Eingangsportal), das mutmaßlich von Guido Reni oder seinem Schüler Francesco Trevesani (1656-1746) geschaffen wurde. 
Dieses Gemälde befand sich bis 2020 in einem zunehmend schlechten Zustand.

Dem Pfarrer Zschömitzsch und dem Förderkreis Alte Kirchen ist es zu verdanken, dass eine Restaurierung des Gemäldes in die Wege geleitet werden konnte und die Kosten in Höhe von ca. 18.000 Euro aufgebracht wurden. Dabei wurden auf der Rückseite der Originalleinwand die Initialen G.L. entdeckt, die vermuten lassen, dass ein Künstler dieses Namens die Gottesmutter mit dem vor ihr liegenden Knaben von einem berühmten Vorbild des italienischen Meisters Guido Reni abgemalt hat.